Der Unbezwingbare

Autor: Anonymous User
Letzte Änderung: 23.11.2010

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Hannover/Sarajevo (BIH). Das Judo-Jahr 2010 muss ihm fast wie ein Traum vorkommen: Bronze bei der Deutschen Meisterschaft zu Beginn des Jahres, dann ungeschlagen in allen 13 Bundesliga-Kämpfen - und nun krönte sich André Breitbarth, der im „Oberhaus“ für die Sport-Union Annen auf der Matte steht, mit dem Gewinn des Europameister-Titels der U 23 im bosnischen Sarajevo.

„Ja, das ist schon unglaublich, was da so abgelaufen ist in letzter Zeit“, atmet der 20-Jährige einmal tief durch. Am Montagabend traf er mit dem Flieger wieder in Hannover ein - gut drei Tage lang war er in der bosnischen Hauptstadt ganz auf diesen einen großen Moment fixiert. „Gold war ja eigentlich gar nicht mein Ziel - Platz zwei oder drei, damit hatte ich spekuliert“, berichtet der WM-Dritte der U 20-WM 2009, den die SUA-Judoka bei der Bundesliga-Endrunde am Samstag in Abensberg so schmerzlich vermissten. „Natürlich habe ich mir das Halbfinale gegen Leipzig im Internet auch angeschaut - die zweite Runde sogar komplett. Schon klasse, was die Jungs da geleistet haben. Beinahe wäre sogar noch mehr drin gewesen“, sagt der Niedersachse.

Sein eigenes Turnier aber ging diesmal vor - der Erfolg in Form einer schmucken Trophäe und einer Medaille in strahlendem Gold dürften den angehenden Abiturienten dafür entschädigen, dass er diesmal nicht für sein Bundesliga-Team punkten konnte. Als die Annener Judoka schon auf der Rückreise ins Ruhrgebiet waren, ging es für André Breitbarth in Sarajevo darum, aus einer Klasse-Saison eine perfekte zu machen.

Immer wieder funktioniert der „Harai-goshi“

Den Montenegriner Mladen Misurovic hatte er nach 136 Sekunden mit einem Harai-goshi auf den Rücken geworfen, mit dem Kroaten Bosko Tripalo machte Breitbarth nach 2:52 Minuten Schluss - zwei Waza-ari-Wertungen (jeweils nach einem Harai-goshi) bedeuteten den Sieg. Und als der 20-Jährige dann auch den Italiener Domenico Di Guida (19) per Tani-o-toshi nach 4:14 Minuten geknackt hatte, war ihm die Silbermedaille bereits sicher.

„Gegen Juhan Mettis hatte ich vorher schon zweimal gewonnen“, ging André Breitbarth mit einem guten Gefühl ins Final-Duell mit dem bulligen Esten. Einmal war Breitbarth dabei unachtsam. „Ich habe versucht, mich ziemlich blöd aus seinem Griff zu befreien - dabei hat er mich geworfen. Erst dachte ich, der Kampf sei schon vorbei“, so Breitbarth - doch der Este bekam nur eine Waza-ari zugesprochen. „Danach hatte ich ihn eigentlich sicher im Griff“, so Breitbarth grinsend. Wieder ein paar Harai-goshi-Ansätze - aber noch war Mettis standhaft. „Dann aber hat er stark abgebaut - es war nur noch eine Frage der Zeit“, erzählt der Schwergewichtler. Ein letztes Mal brachte er seine Spezialtechnik an - kurz vor Schluss legte er den ausgepumpten Esten aufs Kreuz. Ippon Breitbarth - da war sie wieder, die Siegerfaust des 20-Jährigen. Die Goldmedaille, sein bislang größter Erfolg - und den kostet der Wahl-Wittener jetzt erstmal aus. „In diesem Jahr gibt’s keine Turniere mehr - erst wieder Anfang 2011. Vielleicht kann ich dann ja mal gegen Andreas Tölzer kämpfen. Ich würde gerne sehen, wie ich gegen ihn so stehe.“ Jedenfalls wird er dann stehen wie ein EM-Champion!

Quellehttp://www.derwesten.de/sport/lokalsport/witten/Der-Unbezwingbare-id3977176.html